Spinelli-Grundschule | Mannheim | Wettbewerb

Spinelli-Grundschule | Mannheim | Wettbewerb

Neubau einer zweizügigen Grundschule

Der Neubau der Grundschule präsentiert sich als zweigeschossiges, geschickt auf das Grundstück integriertes Gebäude. Das Herz der neuen Schule bildet ein großzügiges Foyer, das die beiden Schulcluster miteinander verbindet. Eine große einläufige Holztreppe inmitten des Foyers erschließt auf direktem Weg das Obergeschoss. Weitere Erschließungskerne sind jeweils in den beiden Gebäudeclustern untergebracht. Im Erdgeschoss befindet sich im nördlichen Gebäudeteil der Ganztagsbereich mit Mensa und zugehörigem Außenbereich. Im Süden schließen sich die Medien- und Werkstätten-Räume sowie ein Spielraum an. Ebenfalls hier angesiedelt sind der Verwaltungs- und Leitungstrakt inklusive Lehrerzimmer und Krankenraum. Ein großer nördlich im Foyer befindlicher Mehrzweckraum kann mit der dahinter befindlichen Mensa bei Bedarf zu einer großen Aula verbunden und geöffnet werden und bietet so Platz für Veranstaltungen.

Lageplan zum Architektenwettbewerb Neubau einer zweizügigen Grundschule auf Spinelli in Mannheim

Das Obergeschoss ist dem allgemeinen Unterrichtsbetrieb vorbehalten. Dabei bilden jeweils vier Klassenzimmer ein Lern-Cluster, deren Mitte als Marktplätze (Inklusionszuschlag) fungieren und von Unterrichtsinseln über reine Kommunikationsflächen bis hin zu Chill-out-Zonen ganz unterschiedliche Nutzungen zulassen. Beide Cluster werden zentral über eine gemeinsame Mitte verbunden. Die Dachflächen des im Erdgeschoss liegenden Medien- und Spielbereichs bieten zudem die Möglichkeit, diese zusätzlich zu bespielen, z.B. als „Grünes-Klassenzimmer“.

Architekturwettbewerb Neubau einer zweizügigen Grundschule auf Spinelli in Mannheim

LEBEN UND LERNEN IM GRÜNEN

Der zweigeschossige Baukörper ist östlich auf dem ausgeschriebenen Grundstück angesiedelt und bildet eine eigenständige Figur in Nord-Süd Ausrichtung senkrecht zur im Norden befindlichen Dürkheimer Straße. In der Mitte des Grundstücks befindet sich die Sporthalle als verbindendes Element zwischen Grundschule, dem TV 1880 Käfertal e.V. und der angrenzenden Nachbarschaft. Zusammen bilden sie das neue „Soziale Zentrum“. Wesentliches Merkmal sind die ausgiebigen Außenanlagen und Freiflächen mit Spielplätzen, Sportgeräten und anderen Außenmöblierungen, die den Übergang insbesondere zwischen privaten und öffentlichen Freiräumen nicht nur fließend, sondern sichtbar und erlebbar machen. Die Länge des kompakten Baukörpers wird auf der Ostfassadenseite durch geknickte Wandflächen gebrochen.
Die Westfassade hingegen nimmt die rückseitige Flucht der im Norden liegenden Einfamilienhausstruktur nördlich der Dürkheimer Straße auf und führt sie senkrecht über das Grundstück von Norden nach Süden weiter und gewährleistet gemeinsam mit der ins Erdreich abgesenkten Sporthalle eine einwandfreie Durchströmung der von Norden her kommenden Kaltluft.

Neubau einer zweizügigen Grundschule auf Spinelli In Mannheim Ansichten

Der auf der Ostseite liegende Schulhof verknüpft die unterschiedlichen Nutzungen zum aktiven Bewegungsfeld. Gefasste Außenräume zonieren den Freibereich in Bewegungs- und konzentrierte Spiel- und Aufenthaltsflächen, ein Lehrgarten bietet Platz für Obst- und Gemüseelemente. Natürliche Räume werden durch neu gepflanztes Gehölz generiert und zur bespielbaren Landschaft geformt.

Neubau einer zweizügigen Grundschule auf Spinelli in Mannheim

PRIMÄRKONSTRUKTION UND MATERIALAUSWAHL

Die tragende Grundstruktur des geplanten Neubaus bildet eine Stahlbetonkonstruktion, Stahlbetonverbundstützen tragen die thermisch aktivierten Deckenelemente. Die Fassade besteht aus vorgefertigten Wandtafeln aus Holzrahmenbau mit integrierten Fensterelementen. Die opaken Fassadenbereiche sind außen mit einer naturbelassenen Lärchenholzschalung verkleidet, welche den naturnahen Charakter des Bauwerks unterstreicht und eine nahtlose Integration in den Kontext garantiert. Die flachgeneigten Dächer werden als extensiv begrünte Dachflächen ausgebildet, wodurch die Gebäudeklimatik verbessert und die Regenrückhaltefähigkeit optimiert wird. Die beiden großen Oberlichter über den Lern-Clustern werden in Holzbauweise ausgeführt. Großformatige Fenster sorgen für ein Höchstmaß an Tageslichtautonomie. Die Auskragungen der Fluchtbalkone und der außenliegende, textile Sonnenschutz schützen die Räume vor Überhitzung. Der textile Sonnenschutz ist an der Außenkante der Fluchtbalkone geplant und bildet somit zwischen der Fensterfront und dem Sonnenschutz eine verschattete Pufferzone, welche auch Blickbeziehungen in den grünen Freiraum zulässt.

Neubai einer zweizügigen Grundschule auf Spinelli in Mannheim

ENERGETISCHES KONZEPT

Die Wärmeversorgung erfolgt durch Fernwärme. Kälteversorgung wird durch einen Brunnen zur freien Kühlung zur Verfügung gestellt. Die betonkernaktivierten Geschossdecken werden zur Verteilung der Kälte herangezogen. Be- und entlüftet werden die Räume durch ein Kreislaufverbundsystem. Über dezentrale Zulufteinheiten in den Außenfassaden wird die Luft vorkonditioniert (erwärmt oder gekühlt) und in die Räume eingebracht. Die Luft strömt in die multifunktionalen Mehrzweckflächen über und von dort in den zentralen Erschließungsbsereich. Dort wird die Luft aus allen Bereichen zentral abgesogen und ihr über einen Wärmetauscher und einer Wärmepumpe die Energie entzogen. Über ein Glykolnetz wird die Energie wieder an die einzelnen Zulufteinheiten zurückgeführt. Die verbrauchte Luft wird über einen Kanal an die Umgebungsluft abgeführt. Auf diese Art kann fast vollständig auf eine Lüftungsinstallation verzichtet werden. Durch dieses energetisch und wirtschaftlich effiziente Konzept kann sowohl auf eine separate Heizungs- und Kälteverteilung als auch auf eine aufwendige Schachtführung verzichtet werden, sodass geringere Geschosshöhen erforderlich sind.
Durch die fortschreitende Verdichtung der Städte sowie eine erhöhte Bodenversiegelung ist die öffentliche Kanalisation zunehmend überlastet. Aus diesem Grund kommt bei dem Schulneubau ein innovatives Retentionsdach zum Einsatz, das das anfallende Regenwasser zunächst auf dem Gebäudedach anstaut und nur langsam abfließen lässt. Gleichzeitig lässt die extensive Dachbegrünung einen Großteil dieses Wassers verdunsten. Im Sommer führt dieser Prozess zu einer passiven Kühlung und verbessert somit das Mikroklima am Gebäude.

Aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung:
„Die Verfasser führen bewusst nicht die städtebaulichen Raumkanten aus der Umgebung und dem Grundlagenplan weiter, sondern entschließen sich für ein lockeres Gebäudeensemble, das sich in einen als begrünten Freiraum verstandenes Gelände hineinlegt. […] Besonders begrüßt wird im OG die räumliche Ausprägung der Cluster; um eine gut nutzbare Lern- und Aufenthaltszone gruppieren sich die Klassen, Öffnungen beziehen den Außenraum mit ein.“