Klinik Gols | Wettbewerb
Eine Klinik im Horizont
Die neue Klinik Gols entsteht im Herzen des Burgenlands, an einem Ort, der durch die Weite seiner Horizonte und die Nähe zum Neusiedler See geprägt ist. Der Entwurf versteht sich als Weiterführung dieser natürlichen Schönheit. Kein isoliertes Objekt, sondern ein Haus, das aus dem Gelände herauswächst, sich dem sanften Höhenverlauf anpasst und sich mit dem Licht und der Geometrie des Ortes verbindet. Die Gebäudeteile treppen sich ab, folgen dem Terrain und minimieren so ihre visuelle Präsenz – eine Klinik im Horizont, nicht über ihm. Auch die Organisation der Freiflächen und Parkzonen richtet sich nach der Richtung der Weingartenzeilen, die das Grundstück rahmen. Dadurch wird nicht nur die Struktur des Hauses, sondern auch seine Umgebung in den Rhythmus der Landschaft eingebunden.

Zwischen Schutzgebieten – eine respektvolle Haltung
Eingebettet zwischen Natura-2000-Zonen, Ramsargebieten und dem Sichtfeld des UNESCO-Welterbes, reagiert der Entwurf auf das empfindliche ökologische und kulturelle Umfeld mit einer zurückhaltenden, aber entschiedenen Geste. Die Freiräume im Süden sind als grüne Übergangszonen gestaltet, zugänglich für Patientinnen und Patienten und Mitarbeitende, und zugleich als ökologische Pufferflächen ausgebildet. Ein naturnaher Grüngürtel umgibt das Ensemble, bepflanzt mit standorttypischen Gehölzen. Die Blickbeziehungen zum See, zum Himmel, zur Umgebung bleiben bewusst offen.

Ausdruck und Fassadengestaltung
Die Materialwahl ist zurückhaltend, warm und beständig. Die Fassade ist konstruiert als Doppelfassade mit dem Fensteranteil aus Holzrahmenelementen und einem vorgehängtem konstruktiven Sonnenschutz bestehend aus beflanzbaren Drahtelementen. Diese werden ergänzt durch vertikale Holzlamellen, die Schatten, Tiefe und Rhythmus bringen. In einigen Bereichen ist vorgesehen, Kletterpflanzen – insbesondere Weinreben – an der Fassade wachsen zu lassen, um das Gebäude mit der Umgebung zu verweben, den Jahreszeiten eine Bühne zu geben und die Begrünung der Hülle funktional wie atmosphärisch zu nutzen.

Der Haupteingang entlang der Magistrale wird von einem zwei Geschosse hohen Dachüberstand geschützt, der in der Mitte eine Öffnung für Tageslicht enthält. Diese geometrisch klare, aber stille Geste dient als Orientierungspunkt, Wetterschutz und Lichtfänger – ein durchlässiger Moment zwischen Außen und Innen.

Organisation der Funktionen – mit dem Menschen im Mittelpunkt
Jeder Blick in die Landschaft, jede Terrasse, jede räumliche Verbindung und jeder Aufenthaltsort ist Ausdruck unserer Haltung: dass Architektur dem Menschen dienen soll – leise, selbstverständlich, mit Sorgfalt. Ebenso trägt sie einen unerlässlichen Teil zur Heilung und Gesundheit bei. Die Architektur ist geprägt von Licht, einer warmen geborgenen natürlichen Atmosphäre und Anreizen zur körperlichen Bewegung. Die Klinikstruktur folgt einer logischen Verteilung die die klare Zuordnung, Orientierung und funktionale Nähe garantiert.

Im EG befinden sich die Bereiche für Diagnostik und Therapie – funktional miteinander verknüpft. Diese umfassen auf der Nordostseite der Magistrale die ZAE-Ambulanz, die Radiologie, die Endoskopie, die ambulante operative Betreuungseinheit, den zentralen OP-Bereich, sowie die zugehörige Intensivmedizin. Alle Einheiten sind funktional miteinander verbunden, mit kurzen Wegen und klaren Bezügen. Auf der Südwest-Seite der Magistralen befinden sich klinische Ambulanzen, integrierte ambulante Einrichtungen, und der Betriebskindergarten. Entlang der Magistrale sind die zentralen gemeinsamen Funktionen wie Anmeldung, Entlassung, Cafeteria und Loungebereiche verortet. Die Dialyse hat einen eigenen und gut sichtbaren Eingang im Erdgeschoss, der die Patientinnen und Patienten ins erste Obergeschoss führt.

Eine großzügige Terrasse verbindet Bereiche im ersten OG
Im ersten OG öffnen sich im südlichen Teil die Onkologie und Dialyse mit Fernblicken auf den See. Nordöstlich liegen Akutgeriatrie mit einem geschützten Therapiegarten, die Therapieflächen inklusive ambulanter konservativer Einheit, die Verwaltung und das Krankenhausmanagement. Am Ende der Magistralen auf dieser Ebene befinden sich ebenfalls der Mehrzweckraum und Speisesaal. Dieser grenzt an einen im Innenhof situierten Außenbereich. Auf der anderen Seite verbindet eine großzügige gemeinschaftliche Terrasse die Bereiche auf dieser Ebene.

Das zweite OG ist vollständig dem Bereich der Allgemeinpflege gewidmet. Vier Stationen sind in einem Kleeblattprinzip um einen gemeinsamen Zentrumspunkt herum organisiert. Auch hier gibt es eine große öffentliche Dachterrasse. Alle Dachflächen – inklusive des extensiv begrünten Flachdachs des dritten Geschosses – sind funktional durch Treppen verbunden. Damit sollen Wartung und Zugang gewährleistet werden. Gleichzeitig sind sie als Erweiterung des Therapiegartens zu verstehen. Im Untergeschoss befinden sich die Labore, die Pathologie, die Technikräume, die Speiseversorgung, die Umkleidebereiche für das Personal sowie Versorgungs- und Entsorgungsfunktionen, die für einen effizienten Klinikbetrieb erforderlich sind.

Konstruktion – so nachhaltig wie möglich
Die Entscheidung, den OP-Bereich im Erdgeschoss zu verorten, wurde aus technischen und betrieblichen Gründen getroffen: Dies ermöglicht eine direkte Verbindung zu den Technik- und Versorgungsräumen im UG und erlaubt gleichzeitig, die darüberliegenden Geschosse in einer nachhaltigen Holz-Hybridbauweise zu errichten. Die tragende Struktur des Gebäudes basiert auf einem robusten Betonsockel (UG und EG). Auf diesem erheben sich die Obergeschosse aus Holzstützen und Holzbalkendecken. Diese Bauweise vereint ökologische Verantwortung mit räumlicher Qualität: Sie verbessert das Innenraumklima, reduziert den CO₂-Fußabdruck und schafft eine warme, ruhige Atmosphäre für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende. Sichtbare Holzelemente im Innenraum unterstützen das Gefühl von Geborgenheit und Natürlichkeit.

