Dr. Ibrahim Rugova Memorial Park & Presidential Library | Pristina | Wettbewerb | 1. Preis
Ein Erinnerungsort als subtile und kraftvolle architektonische Geste
Der Standort der Ibrahim-Rugova-Präsidentenbibliothek und des Erinnerungsparks liegt im kulturellen Zentrum Pristinas – in unmittelbarer Nähe des Märtyrerfriedhofs, wo Rugova beigesetzt ist. Hier entsteht ein markantes Dreieck aus nationaler Erinnerung, öffentlichem Leben und institutioneller Präsenz. In Gehweite befinden sich Universität, Palast der Jugend und des Sports, Studentenwohnheime und Regierungsgebäude. Dieses Umfeld spiegelt Rugovas Werte von Bildung, Frieden und Staatsbildung wider.

Der Erinnerungsort wurde als subtile, aber kraftvolle architektonische Geste konzipiert. Sie wirkt nicht durch Monumentalität, sondern durch Kontinuität, Zugänglichkeit und Symbolik. Das Gebäude fügt sich nicht axial, sondern topografisch in den Park ein – als Teil des Geländes statt als aufgesetztes Objekt. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen gebauter Form und Landschaft, im Sinne von Rugovas Haltung zwischen Präsenz und Bescheidenheit.
Zentrales konzeptionelles Motiv ist Rugovas ikonischer Schal – Symbol seiner kultivierten Haltung, intellektuellen Eleganz und stillen Resistenz. Im Projekt wird er zur räumlichen Strategie: ein Band, das Form, Bewegung und Erinnerung leitet.

Vom Symbol zum Raum
Die runde Gebäudefigur wird von einem spiralförmigen Element umschlungen, den weichen Falten eines Schals nachempfunden. Diese Bewegung strukturiert Zugang, Wegeführung und räumliche Erlebnisse. Außen wird der Schal zur ansteigenden Promenade, die Besucherinnen und Besucher vom Park aufs Gründach führt – ein öffentlicher Ort des Ausblicks, der Ruhe und der symbolischen Erhebung.
Im Inneren setzt sich diese Logik fort: Der Schal führt um ein lichtdurchflutetes Atrium, das als zeitgenössische Agora konzipiert ist. Eine große Lichtkuppel bringt natürliches Licht in das Zentrum und verbindet Wissen, Denken und Öffentlichkeit.

Das Atrium als Agora
Die Eingangshalle fungiert als offenes Wohnzimmer der Zivilgesellschaft – Raum für Begegnung, Debatte und Orientierung. Rampen und Balkone begleiten das Atrium und erschließen Ausstellungen, Archive und Lesesäle. So entsteht ein Ort, der Erinnerung und Neugier gleichermaßen fördert.

Ein Ort für Rugovas Vermächtnis
Das Erdgeschoss bildet die öffentliche Schnittstelle mit Atrium, zweigeschossiger Präsidentenbibliothek, Konferenzraum, Lesesaal, Büros sowie allen Servicefunktionen.
Im ersten Obergeschoss entwickelt sich eine fließende Ausstellungslandschaft entlang des Atriums, mit der Hauptausstellung „Rugovas Leben & Vermächtnis“, Kinder- und Workshopraum, Museumsshop und Ruhezonen. Das Gründach bildet den Höhepunkt des Rundgangs. Im Untergeschoss befinden sich öffentliche Parkplätze.

Die Landschaft als erzählerischer Rahmen
Die Landschaft wird nicht als Restfläche um die Architektur herum behandelt, sondern als aktives kuratorisches Rahmenwerk für Erinnerung, Begegnung und Bewegung. Das leicht abfallende Gelände ist von einheimischer Vegetation und altem Baumbestand geprägt. Diese ökologischen Elemente sollen bewahrt und gestärkt werden. So soll ein kontemplativer öffentlicher Park geschaffen werden, aus dem die Architektur organisch hervortritt, anstatt sie dem Ort aufzuzwingen. Ein Netz aus Haupt- und Nebenwegen definiert ein weiches Zirkulationssystem, das Besucherinnen und Besucher durch unterschiedliche Zonen führt – von offenen Lichtungen bis zu schattigen Bereichen unter einheimischen Bäumen. So entstehen Orte der Ruhe, der Reflexion, aber auch des Miteinanders. Die Wege erzeugen visuelle und räumliche Verbindungen zu bestehenden Gedenkorten der Umgebung, insbesondere zum Märtyrerfriedhof und Rugovas Grab, und lassen das Gebäude Teil einer lebendigen Topografie der Erinnerung werden.


