Bürgerblock Landshut – Wettbewerb

Bürgerblock Landshut – Wettbewerb

Zwischen Hauptbahnhof und Sankt-Wolfgang-Platz gelegen befindet sich der Bürgerblock an repräsentativer Stelle der Wolfgang-Siedlung. Das neue Blockrand-Ensemble fügt sich in die angrenzende Bebauung ein und führt die Gebäudeachsen ausgehend vom Quartiersplatz sowie von Oberndorfer- und Nelkenstraße fort. Entlang der westlichen Grundstücksgrenze vervollständigt ein neues Gebäude die Randbebauung, so dass ein Ensemble aus zwei winkelförmigen Gebäudeteilen mit Wohnungen und dem quaderförmigen westlichen Gebäude des Clusterwohnens entsteht. Zur optimalen Ausnutzung der Baugrenzen verlaufen die westlichen Gebäudekanten schräg aufeinander zu und treffen sich im quaderförmigen Westbau, so dass er einen markanten Endpunkt für den Innenhof der Nachbarbebauung darstellt.

Lageplanzeichnung für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Offene Erschließung mit Galerien und Grün

Drei Zugänge führen in das Innere des neuen Bürgerblocks. Über eine außenliegende Treppen- und Rampenanlage wird die einem Hochparterre ähnliche Eingangsebene erreicht. Ihr großzügiger Innenhof bildet das Herz der Anlage und gleicht einer kleinen Piazza mit breiten Wegen zu den einzelnen Wohnhäusern, unterschiedlichen Grünbereichen, Spiel- und Ruhezonen. Als halböffentliche Mitte konzipiert erhalten die Bewohner einen identitätsstiftenden Ort der Kommunikation mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, der zugleich der Anonymität eines Wohnblocks entgegenwirkt. Zwei weitere Zugänge sorgen für kurze Wege und eine Durchlässigkeit des Quartiers.

Die einzelnen Etagen der drei Gebäude werden in erster Linie über Laubengänge und großzügige Galerien erschlossen. Im Haus des Gemeinschaftswohnens befindet sich zudem ein Erschließungskern mit einem geschlossenen Treppenhaus und Aufzug. Umlaufend angeordnete, freie Treppen dienen als Shortcuts zwischen den Ebenen und führen den Gedanken der Piazza vom Erdgeschoss bis in die Obergeschosse fort. Die breiten Gänge sowie ihre Aufweitungen mit Grünbereichen und teilüberdachten Terrassen bieten auch auf den oberen Ebenen halböffentliche Kommunikations- und Spielzonen und sorgen auf diese Weise für einen nachbarschaftlichen Austausch. Je weiter der Weg nach oben führt, desto schmaler werden diese Galerienbreiten, so dass zum einen auch ein kommunikativer Austausch über die Geschosse hinweg gefördert und zum anderen der Lichteinfall für die unteren Etagen verbessert wird.

Form und Gestaltungskonzept für Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Holzelemente an Fassade, Geländer oder Außenmöblierung symbolisieren gegenüber der Straßenfassade den Charakter des privaten bis halböffentlich genutzten Innenhof. Neben Pflanzungen im Erdgeschoss werden die Galerien für eine Begrünung des gesamten neuen Bürgerblocks genutzt. Große Pflanzkübel und Kästen an den Geländern lassen eine Art vertikalen Garten entstehen, der in der grünen Nutzung der Dachflächen fortgeführt wird, so dass sich von mietereigenen Hochbeeten auf den Ebenen bis hin zum gemeinschaftlichen Gärtnern im Obst- und Gemüsegarten auf den Dächern verschiedenste Nutzungskonzepte anbieten. Zugleich stehen die Dachterrassen als weiterer Außenraum zu Verfügung.

Innenhof Visualisierung für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Wohnen in der Gemeinschaft

Die Aufteilung der Wohnungen orientiert sich am vorgegebenen Wohnungsschlüssel. In den beiden winkelförmigen Baukörpern in der Nordost- und Südwestlage befinden sich in erster Linie Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen. Jede Wohnung richtet ihre privaten Räume und Loggien nach außen zum Straßenraum, während insbesondere Küchen und Bäder auf der Seite der Innenhofpiazza liegen. Im westlichen Gebäudeteil ist eine besondere Nutzung des Gemeinschafts- oder Clusterwohnens angedacht. Von der Eingangsebene bis zur dritten Etage fügen sich drei Wohneinheiten mit großen Gemeinschaftsräumen zu einem Wohncluster zusammen. Dabei funktioniert jede Einheit als abgeschlossene, autarke Wohnung mit eigener Mini-Kochzeile und Sanitärraum. Zusätzlich stehen eine große Küche sowie ein großzügiger Wohn- und Essbereich mit weiteren Loggien für eine gemeinschaftsorientierte Nutzung zur Verfügung.

Erdgeschoss Grundriss für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Grundriss 1. OG für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Grundriss 5. OG für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Alle Wohnungen im neuen Bürgerblock sind barrierefrei zu erreichen. Auf der Eingangsebene sind zwei rollstuhlgerechte Wohneinheiten angeordnet, jeweils eine im Gemeinschaftswohnen und im nordöstlichen Gebäudewinkel. Zudem ist im dritten Geschoss dieses Winkels eine weitere Wohnung für Rollstuhlfahrer vorgesehen. Im Außenbereich ermöglichen Rampen mit entsprechend niedriger Steigung die barrierefreie Zuwegung, so dass Bewohner und Besucher mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrädern, aber auch Anlieferungen leicht die Eingangsebene erreichen können. Hier befindet sich zudem im nordwestlichen Winkel ein Gemeinschaftraum mit Küchenzeile, Sanitärräumen und Außenbereich, der für Veranstaltungen, private Feiern und regelmäßige Zusammenkünfte der Bewohner genutzt werden kann.

Im Untergeschoss befinden sich Kellerräume eine Tiefgarage. Zudem werden weitere Stellplätze entlang der nördlichen und östlichen Grundstücksgrenze angeboten. Stellflächen für Fahrräder sind im überdachten Raum der Piazza angeordnet. Optional wird vorgeschlagen, statt einer Tiefgarage den benötigten Parkraum durch Anmietung bzw. Neubau eines Parkdecks auf dem nahegelegenen Parkplatz an der Oberndorferstraße zu schaffen.

Energiekonzept im ALN-Beitrag für Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Konstruktion, Energie und Emissionen

Der Neubau des Bürgerblocks ist als Massivbau aus Stahlbeton mit ebensolchen Geschossdecken geplant. Die Außenansichten der Blockbebauung sind als hinterlüftete Vorhangfassaden mit einer Verkleidung aus kleinformartigen und profilierten Stahlbetonplatten in Kombination mit Schallschutzfenstern konzipiert. Diese Platten enthalten einen Anteil von Titandioxid, wodurch zum einen ihr Farbton gegenüber herkömmlichen Betonfertigteilen angenehm aufgehellt, und zum anderen ein intelligentes, photokatalytisch aktiviertes Bauteil geschaffen wird. Das Titanoxid fungiert als eine Art Katalysator und wandelt unter dem Einfluss von UV-Strahlung die in der Umgebungsluft enthaltenen Stickoxide in Nitrate um, welche wiederum durch Regen von der Fassade abgewaschen werden. Da insbesondere die Oberndorferstraße eine hohe Verkehrsbelastung aufweist, tragen die Fassaden auf diese Weise zu einer direkten Verbesserung der Luftqualität bei. Zudem besitzen die Fassadenplatten durch den Titanoxid-Zusatz eine selbstreinigende Oberfläche, bei der eventuell anlagernder organische Stoffe zersetzt und ebenfalls durch Niederschlag abgespült werden, so dass sich die höheren Anschaffungskosten durch den geringeren Wartungsaufwand amortisieren.

Die Wärmeerzeugung des Bürgerblocks erfolgt über eine Grundwasserwärmepumpe, die bei Spitzenlasten über eine Solarthermie-Anlage auf einem Teilbereich der Dachflächen unterstützt wird. Die Verteilung der Wärme erfolgt über Wohnungsübergabestationen und von dort in den einzelnen Wohnungen über flächendeckende Fußbodenheizungen. Die Lüftung der Wohnung erfolgt mechanisch.

Fassadenansichten für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock

Gebäudeschnitte für ALN-Beitrag beim Landshut Wettbewerb Bürgerblock