Bildungszentrum Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz | Landshut

Bildungszentrum Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz | Landshut

Das Bildungszentrum als Pilotprojekt für nachhaltiges und zirkuläres Bauen

Der Neubau des Bildungszentrums der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz entsteht auf dem Grundstück des bisherigen Schulungszentrums in Landshut. Mit dem Projekt wird nicht nur eine moderne Infrastruktur für die berufliche Bildung geschaffen, sondern auch ein Pilotvorhaben für zukunftsweisendes, ressourcenschonendes und zirkuläres Bauen sowie zur Prozesswärmerückgewinnung.

Das Gebäude markiert die Adresse der Handwerkskammer auf dem Gelände neu und schafft ein einladendes, offenes Bildungsumfeld. Es gliedert sich wie selbstverständlich in den städtebaulichen Kontext ein und schafft durch seine klare Struktur Orientierung für Auszubildende, Lehrende und Besucher gleichermaßen. Die Neuordnung der angrenzenden Straße ‚Am Lurzenhof‘ und der angrenzenden Flächen trägt zur städtebaulichen Aufwertung bei und ermöglicht eine klare Neustrukturierung des Campus der Handwerkskammer.

Gliederung folgt klarer Logik

Die Gliederung der Nutzungen folgt einer klaren funktionalen Logik: Werkstätten mit direktem Außenbezug befinden sich im Erdgeschoss, während die Obergeschosse Lehrräume und spezialisierte Ausbildungsbereiche aufnehmen. Die Verwaltung ist kompakt und zugänglich über zwei Geschosse in der Nähe des Haupteingangs organisiert.

Das Atrium schafft Verbindung und Orientierung

Ein zentrales, mehrgeschossiges Atrium bildet das Herzstück des Gebäudes. Es verbindet die unterschiedlichen Bereiche und schafft zugleich hohe räumliche Qualität und klare Orientierung. Die offenen Erschließungsflächen fungieren als Aufenthalts-, Ausstellungs- und Kommunikationszonen – ein lebendiger Ort der Begegnung und des Austauschs.

Die Rückbaubarkeit wird mitgedacht

Ein zentraler Baustein des nachhaltigen Konzepts ist die Planung für eine spätere Rückbaubarkeit. Die Primärkonstruktion kombiniert die Materialien Holz, Beton und Stahl – jeweils gezielt entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften eingesetzt. Beton wird ausschließlich dort verwendet, wo er statisch erforderlich ist, etwa für Bodenplatte und Aussteifung. Die vorgefertigte Fassade besteht aus Holzrahmenelementen in Kombination mit einer hinterlüfteten Bekleidung. Verschiedene ökologische Materialvarianten – darunter Holz, Metall und Putz – wurden hinsichtlich ihrer Umweltwirkung geprüft und gezielt eingesetzt.

Im Innenausbau kommen klimaregulierende Lehmbauplatten auf Holzständerwänden zum Einsatz. Reversible Trockenbausysteme und Estriche ermöglichen auch hier einen sortenreinen Rückbau und erleichtern Instandhaltung sowie künftige Umnutzungen. Die gesamte Materialwahl folgt den Prinzipien des zirkulären Bauens, einschließlich Prüfungen auf Wiederverwendbarkeit, Langlebigkeit und minimale Umweltwirkung über den gesamten Lebenszyklus.

Das energetische Konzept setzt auf Nachhaltigkeit

Das Gebäude wird weitestgehend passiv betrieben. Eine außenliegende, bewegliche Verschattung optimiert den sommerlichen Wärmeschutz und unterstützt die Tageslichtstrategie. Raumproportionen, Fenstergrößen und Belichtungsflächen wurden durch Simulationen gezielt auf eine optimale Tageslichtausnutzung abgestimmt.

Für die Beheizung und Kühlung kommt eine Grundwasserwärmepumpe in Kombination mit Deckenstrahlplatten zum Einsatz. Die in den Werkstätten entstehende Prozesswärme wird über ein Rückgewinnungssystem in das Heizsystem eingespeist. Ergänzt wird die Energieversorgung durch Photovoltaikanlagen auf den begrünten Dachflächen.

Durch all dies Maßnahmen ist über den Jahreszyklus gerechnet ein energieneutraler Betrieb des Gebäudes möglich.

Schwammstadt-Prinzip und begrünte Dächer

Nach dem Prinzip der Schwammstadt wird das Regenwasser vollständig auf dem Grundstück versickert. Dachbegrünungen, Biodiversitätsdächer und durchlässige Beläge tragen zur Rückhaltung und Verdunstung bei und verbessern das lokale Mikroklima. Einen wichtigen Beitrag liefert hier auch die Gestaltung der Außenanlagen: Hier wurde eine Vielzahl an Großbaumstandorten geschaffen, Mulden lassen das Regenwasser offen versickern, so entsteht je nach Witterung eine Landschaft, die sich an die benötigten Begebenheiten anpasst.

Ein Modellprojekt, das Maßstäbe setzt

Das Bildungszentrum versteht sich als Pilotprojekt für zukunftsfähiges Bauen im öffentlichen Bildungsbau. Schon in frühen Planungsphasen wurden CO₂-Emissionen, Lebenszykluskosten, Rückbaubarkeit, Adaptierbarkeit und Betriebsoptimierung integrativ berücksichtigt. Ziel ist ein langlebiges, wartungsarmes Gebäude mit minimalem Energie- und Ressourcenverbrauch – ein Modellprojekt, das Maßstäbe für kommende Bildungsbauten setzt.