Neubau Büro- und Wohngebäude | Landshut

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Nahensteig 188 b – Neubau Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage in der Landshuter Altstadt

    Ein Büro platzt aus allen Nähten oder: wenn aus einer Notsituation eine Projektidee wird.

ALN hat nach dreijähriger Planung- und Bauzeit am Rande der gotisch geprägten Landshuter Altstadt direkt am Burgberg und zu Fuße der Burg Trausnitz ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Vorangegangen war der Umstand, dass die bisherigen Büroflächen im danebenliegenden historischen Stadelbau aus dem Jahr 1746 nicht mehr ausreichten. Statt jedoch den langjährigen Stammsitz des Büros aufzugeben und neue Geschäftsräume zu beziehen, entschied sich das Büro für einen Neubau. Nur auf diese Weise sah das Team die Möglichkeit, ein Gebäude ganz nach ihren Bedürfnissen zu gestalten, neue Ideen auszuprobieren und ein Projekt zu entwickeln, dass den Ansprüchen an ein zeitgemäßes und nachhaltiges Gebäude gerecht werden würde. Leitgedanke war ein möglichst reduziertes Haus zu schaffen hinsichtlich Form und Materialauswahl. Materialien, die nicht weiter behandelt werden müssen und so aufwendige Instandhaltungsmaßnahmen im Gebäudelebenszyklus unnötig machen. Dabei war es nicht wichtig, dass die Oberflächen möglichst glatt oder homogen sind. Vielmehr sollte das Ergebnis eine qualitätvolle handwerkliche Arbeit sein. Und dass man Gebäuden auch ein Altern ermöglichen muss. Beim Konstruktions- und Materialkonzept fiel deswegen die Wahl schnell auf Sichtbeton und Cortenstahl.

    Burgberg und die gotische Altstadt von Landshut. Eine Ortsbegehung.

Mit den oben genannten Leitgedanken sah sich das Planungsteam in der Entwurfsphase mit diesen Herausforderungen konfrontiert: sowohl die städtebauliche als auch die topografische Lage. Das Gebäude liegt am Rande der Landshuter Altstadt am Fuße des Burgberges mit der darauf stehenden Burg Trausnitz. Der Ort spielt eine besondere Rolle, da die historische Altstadt von Landshut durch gotische Bürgerhäuser dominiert wird, vereinzelt finden sind auch Elemente aus der Renaissance und des Barock. Große Teile der Altstadt stehen demnach unter Denkmalschutz. Des Weiteren verlangte die Einbindung des künftigen Bauwerks in die vorhandene Topographie des Burgberges mit seiner 70% Hangneigung besonderes Fingerspitzengefühl in der Planungsentwicklung. Mit der strategischen Lage direkt am Berg hat man eine klare Orientierung und direkte Sicht auf die Altstadt und dem Backstein-Kirchturm der Stiftsbasilika St. Martin. Gleichzeitig bleibt der Bau zurückgezogen und unauffällig, da dieser durch die vorhandene Nachbarbebauung versteckt wird und keine direkten Einblicke zulässt.

    Wohnen und arbeiten. Und unterschiedliche Perspektiven.

Das Gebäudekonzept sieht eine monolithisch wirkende Kubatur vor, die sich in die natürliche Umgebung des Burgberges harmonisch einfügen soll. Hierbei reagiert der Baukörper und in den Grundrissen auf zweierlei Weise auf seine Umgebung: die Rückseite des Gebäudes ist fester und weitestgehend geschlossener Bestandteil des dahinterliegenden Hofberges, die zur Altstadt orientierte Fassadenseite hingegen nimmt die Rhythmik der Bergtopografie auf. Die Ausrichtung jedes Geschosses folgt hierbei einer anderen Höhenlinie des Berges, die monolithische Fassade öffnet sich durch große Glaseinschnitte und gewährt unterschiedliche Perspektivpunkte auf die Landshuter Altstadt. Gleichzeitig findet ein Spiel zwischen geschlossenen und offenen Räumen statt, der Übergang von innen nach außen auf die verschie-
denen Terrassenflächen ist fließend und variable Grundrisse entstehen. Licht beanspruchende Räume wie Arbeits- und Wohnbereiche liegen in offen und loftartig angelegten Grundrissen entlang der Glasfassade mit Blick zur Altstadt. Funktionale Räume wie Küchen- und Sanitärräume, aber auch private Wohn- und Schlafräume liegen zurückgezogen und in kompakten Grundrissen auf der Gebäuderückseite und sind zum Berg hin ausgerichtet.

    Cortenstahl und Sichtbeton: Klare Details. Langlebig. Nachhaltig.

Das minimalistische Gebäudekonzept äußert sich neben der durchgehenden monolithischen Kubatur und der klaren Grundrissorganisation vor allem in seiner Ausführung: das Gebäude ist komplett in Stahlbeton mit Sichtbetonqualität ausgeführt. So besteht auch das flache und massive Satteldach ebenfalls aus Beton mit eingelegter Betonkernaktivierung. Des Weiteren ist das gesamte Gebäude mit einer vorgehängten und hinterlüfteten Fassade aus blankem Cortenstahl eingehüllt. Das schließt auch die Dachhaut mit ein: die hinterlüftete Dachbekleidung besteht aus 4mm Cortenstahlplatten, für welche eine eigene Unterkonstruktion, bestehend aus Stahlrohren und T-Stahlprofilen, entwickelt und ausgeführt wurde. Das Bauwerk bildet mit der Zeit Patina und erhält so eine eigene lebendige Struktur. Auf diese Weise soll eine einheitliche monolithische Wirkung entstehen, die sich in die vorhandene Topografie einbindet statt als Fremdkörper wahrgenommen zu werden.
Im Vordergrund aller konstruktiven Überlegungen stand die Anforderung an ein nachhaltiges Gebäude: Rückbaubar, recyclebar, nachhaltig, mit langlebigen Materialen unter Verwendung von wenig unterschiedlichen Materialen sowie der Verzicht auf Verbundmaterialien.

    Energieeffizienz oder: wie die Not zur Tugend wird. Hangwasser for free.

Eine besondere Herausforderung bei der Projektplanung und später dann Ausführung war der Umgang mit der vorhandenen Topographie des Burgberges und seiner 70% Hangneigung. Neben den statischen Herausforderungen, die mittels Hangsicherung gelöst wurden, wurde das Planungsteam während der Abtragung des Hanges mit großen Mengen austretendem Hangwasser konfrontiert. Dieses Wasser stellte sich als Glücksfall heraus und wird nun thermisch für das Heizen und Kühlen des Gebäudes genutzt und unterstützt auf diese Weise zusätzlich das nachhaltige Gebäudekonzept. So erfolgt das Heizen und Kühlen des Gebäudes durch eine Betonkernaktivierung, für welches das vorhandene Hangwasser in einem Auffangbehälter gesammelt und weitergeleitet wird und Wärmetauscher und-pumpe speist und begünstigt nachhaltig Kostenersparnisse bei den Betriebskosten.