Concrete meets corten

Wenn Sichtbeton eine Liaison mit blankem Corten-Stahl eingeht, dann bleibt dies nicht unbemerkt. Oder doch? Eine Nachlese.

Vergangenen Samstag lud der BDA (Bund Deutscher Architekten) zum 16. Mal infolge zum ArchitektOurbus in Landshut ein. Den ArchitektOurbus könnte man den kleinen Bruder des „Tag der Architektur“ nennen. Dieser findet jährlich in der Region statt und zeigt Beispiele qualitätsvoller und spannender Architektur- und Bauprojekte für interessierte Besucher. Bauherren und Architekten öffnen Pforten, die sonst für die Öffentlichkeit geschlossen sind.

Neben vier weiteren Bauprojekten (z.B. das Rauchensteiner-Haus) wurden auch bei uns am Nahensteig gut 100 architekturinteressierte Gäste empfangen. Alle ALN-Gesellschafter, namentlich Peter Leinhäupl, Barbara Neuber und Markus Neuber, führten durch das Gebäude und berichteten von der Entstehung des Gebäudes, von der Planung bis zur Ausführung. Es wurde geschaut und angefasst, gefragt und diskutiert. Dabei a bisserl gegessen und getrunken. Alles in allem ein wunderbarer Nachmittag. Ohne Wenn und Aber.

Und tatsächlich waren viele Besucher über den Nahensteig ob seiner imposanten Formsprache erstaunt. Denn zugegebenermaßen: um das Gebäude zu sehen, muss man zuerst in eine kleine kopfsteingepflasterte Straße laufen, dann rechts in eine noch kleinere Gasse abbiegen, nach links und dann nach oben schauen. Um schließlich auf die Tiefgarage zugehend sich wieder nach rechts zu drehen und die Sichtbeton-Treppen hochzusteigen. Angekommen. Wer zum ersten Mal hierher kommt, bei dem bleibt häufig der Wow-Effekt bleibt nicht aus. Denn das Gebäude drängt sich nicht auf, ist durch seine Lage fast uneinsehbar. Unsichtbar. Denn es liegt vielmehr zurückgezogen im Schutze des Hofbergs, als aufmerksamkeitserheischend nach vorne zu preschen. Und bildet auf diese Weise die sprichwörtliche „Landeshut“. Was häufig zur Frage führte: wie um alles in der Welt schafft man es, hier so ein Haus hinzubauen? Denn das allgemeine Credo am Samstagnachmittag war: vom Bau selbst hat man an sich nicht viel mitbekommen, trotz der prominenten Lage in der Altstadt. Die logistische aber auch die handwerkliche Leistung, die dahinterstecken, waren enorm. An dieser Stelle geht nochmal unser größter Dank an alle Projektbeteiligten raus. Planer, Fachplaner, Bauleiter, ausführende Firmen; der Genehmigungsbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege in Landshut, die den Bau erst möglich gemacht haben. Und wir hatten durchweg den Eindruck, dass das Gebäude gut angekommen ist.

Was heißt das für uns Architekten? Es ist möglich, gute und nachhaltige Architektur zu schaffen. Auch in historisch lang gewachsenen Strukturen. An Orten, die den Eindruck machen, dass neue Ideen hier nicht reinpassen, das Stadtbild zerstören könnten. Dass der Genius Loci anders gedachte Konzepte nicht zulässt.

Diskussion bedeutet Bewegung. Und wer sich bewegt, bewegt auch andere. Und auch gewachsene Strukturen mögen frischen Wind, der durch ihr graues dichtes Haar weht.

Herzlichen Dank an das Architekturbüro Oberpriller für die Organisation der Tour!

Verfasst von Gabrijela Obert
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